Warten aufs Business Aviation Center in Dübendorf

Business Aviation Center von der Landesseite

Am Grundsatzentscheid wird nicht mehr gerüttelt: Der Bund will einen Teil der Geschäftsluftfahrt vom Flughafen Zürich nach Dübendorf verlagern. Das hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt nach Abschluss der Koordinationsgespräche mit den Anrainergemeinden im Februar nochmals klar gemacht. Die Flugplatz Dübendorf AG treibt die Planung voran und leistet Überzeugungsarbeit.

Für Business Jets wird es langsam eng am Flughafen Zürich: Gerade im Sommer, wenn sich zum Linien- auch noch der Charterverkehr gesellt, ist es für Geschäftsflieger zunehmend schwierig, Zeitfenster für Starts und Landungen (Slots) zu erhalten. Der Flughafen Zürich hat gemäss Luftfahrtpolitik des Bundes primär dem Linienverkehr zu dienen und wird deshalb mittelfristig andere Segmente wie die Geschäftsluftfahrt verdrängen. Aus diesem Grund hat der Bundesrat bereits 2014 entschieden, den Militärflugplatz Dübendorf in ein ziviles Flugfeld mit Schwerpunkt Geschäftsluftfahrt umzunutzen. Dieses Verfahren ist nun einen Schritt weiter: Der Bund hat die Koodinationsgespräche mit dem Kanton Zürich, den betroffenen Gemeinden, der regionalen Planungsgruppe Glattal sowie dem zukünftigen Flugplatzhalter im Februar abgeschlossen und dabei unmissverständlich erklärt, dass er an seinem Konzept mit einer Verlagerung der Geschäftsluftfahrt von Zürich nach Dübendorf festhält.

Der Zeitplan bis zur Inbetriebnahme

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) verfasst nun einen Schlussbericht, auf dessen Basis das Objektblatt für den Flugplatz Dübendorf entworfen wird. Dieses bildet die Grundlage für die Infrastruktur und den künftigen Flugbetrieb. Das SILObjektblatt (Sachplan Infrastruktur Luftfahrt) soll Ende Jahr öffentlich aufgelegt und dem Bundesrat bis Mitte 2019 zur Genehmigung vorgelegt werden. «In Bezug auf das Sachplan-Verfahren verlassen wir uns ganz auf den Bund, der den Prozess führt», hält Urs Brütsch, Geschäftsführer der Flugplatz Dübendorf AG, auf Anfrage fest. Verzögerungen sind zwar nie ganz ausgeschlossen, von diesen geht er aber insbesondere im Umnutzungsverfahren aus. «Wir werden die Gesuchsunterlagen unmittelbar nach dem Bundesratsentscheid zum SIL-Objektblatt im Sommer 2019 einreichen. Das BAZL wird das Gesuchsdossier prüfen, und auch eine öffentliche Anhörung ist vorgesehen», so Brütsch. Der Entscheid des BAZL sei dann aber anfechtbar und könnte bis vor Bundesgericht gezogen werden. Brütsch rechnet deshalb im besten Fall mit einer Inbetriebnahme des zivilen Flugfelds im Jahr 2023.

Business Aviation Center von der Luftseite

Die volkswirtschaftliche Bedeutung

Um die Kritiker der umliegenden Gemeinden von der Notwendigkeit des Vorhabens zu überzeugen, wird die Flugplatz Dübendorf AG nicht müde, die volkswirtschaftliche Bedeutung der Geschäftsluftfahrt hervorzustreichen. Dabei kann sich Urs Brütsch auf aktuelle Zahlen der European Business Aviation Association (EBAA) berufen. Der Verband hat soeben die Studie «European Business Aviation: Economic Value & Business Benefits 2018» veröffentlicht. Die Zahlen sind eindrücklich: Die Bruttowertschöpfung der Geschäftsluftfahrt beträgt europaweit rund 32 Milliarden Euro. 374’000 Arbeitsplätze sind direkt oder indirekt vom Betrieb, der Abfertigung, der Produktion und Wartung von Geschäftsflugzeugen abhängig. In der Schweiz sind es 18’557 Arbeitsplätze. Die Schweiz gehört bezüglich Wertschöpfung und Arbeitsplätzen mit Deutschland, Grossbritannien, Frankreich und Italien zu den fünf grössten Märkten der Europäischen Geschäftsluftfahrt. Der Marktanteil der Business Aviation am Gesamtluftverkehr in der Schweiz beträgt 17 Prozent. «Damit liegt die Schweiz europaweit hinter der Slowakei sogar auf Platz zwei», betont Urs Brütsch. «Die Zahlen unterstreichen die Bedeutung der Geschäftsluftfahrt für das von der Exportwirtschaft abhängige Binnenland Schweiz.»

Dübendorf Gastronomie Besucherzentrum

Das Sieger-Projekt für den Flugplatz

Auf dem Papier hat das zukünftige zivile Flugfeld bereits Gestalt angenommen. Die Flugplatz Dübendorf AG, die das zivile Flugfeld im Auftrag des Bundes entwickelt und künftig auch betreiben wird, hat einen Architekturwettbewerb ausgeschrieben und den Sieger bereits erkoren. Es ist das Projekt des Architekturbüros Meier Hug Architekten aus Zürich. Ein Riegel von mehreren Gebäuden zieht sich entlang der Überlandstrasse. Dabei bildet das Business Aviation Center, wo die Fluggäste empfangen werden, das Herz des neuen Flugplatzes. Zudem sind mehrere Hangars, ein Betriebszentrum, Büros, ein Bereich für die Leichtaviatik und Nostalgiefliegerei sowie ein Restaurant geplant. Die Flugplatz Dübendorf AG, an der unter anderem Business-Jet-Anbieter wie die Cat Aviation AG, die Jet Aviation AG und Premium Jet AG beteiligt sind, wird selbst nur die Geschäftsfliegerei betreiben, an weitere Nutzer will sie Unterbaurechte vergeben. Geschäftsleiter und Gesamtprojektleiter Urs Brütsch rechnet mit Investitionskosten von 200 bis 250 Millionen Franken, wovon rund die Hälfte von der Flugplatz Dübendorf AG investiert werden.

www.duebendorf-flugplatz.ch

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